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Testbericht: Olympus E-M1X

Olympus OM-D E-M1X: Ein Hoch auf Micro-Four-Thirds

 

Wie das doch relativ seltene MFT-Format erfolgreich funktionieren kann - Olympus macht´s mit der spiegellosen OMD-D E-M1X eindrucksvoll vor: Bespickt mit technischen Details ist das eine echte Big-Power-Kamera vor allem für Profis, die alle Stücke spielt und MFT neu belebt. Während die Mitbewerber eine Kamera nach der anderen im APS-C oder Vollformat raushauen, steht Olympus zum Format, das bereits kurz nach der Jahrtausendwende so richtig befeuert wurde. Von – richtig geraten: Olympus. Das robuste Spitzenmodell ist seit einem Jahr auf dem Markt und liefert alles, was technisch heute möglich ist. Und wunderschön ist sie dazu…

 

Eine Profi-Kamera mit MFT-Sensor… um 2.999.- Euro? Lohnt sich das? Wir meinen Ja. Die Sensorgröße reicht allemal für farbtreue und wirklich knackscharfe Vergrößerungen aus. Der Crop-Faktor bewegt sich bei knapp 2 – so stehen dem doch voluminösen Gehäuse jede Menge kleine und Kompakte Objektive zur Seite. MFT macht sich im Tele-Bereich besonders bezahlt. Wir hatten das hervorragende M.ZUIKO Digital 45mm/f1.2 aufs Bajonett geschnallt – was im Vollformat ca. 90mm Brennweite entspricht. Also ein super kompaktes klassisches Porträt-Objektiv, mit dem sich einiges an kreativen Fotoarbeiten bewerkstelligen lässt. Der Autofokus arbeitet rasend schnell.

 

Bevor wir zu den technischen Detail, Handhabung und Verarbeitung kommen, zuerst doch ein paar Worte zur Bildqualität, denn darauf kommt es in erster Linie wohl an. Wir waren ganz baff nach dem ersten Foto-Spaziergang mit Hund in Dornbirn und Hohenems (natürlich alle Vorgaben Corona-bedingt strikte eingehalten). Die Bilder out of Camera (JPEG) sind echt bestechend. Vor allem die exzellente Schärfe springt förmlich ins Auge - aber auch Durchzeichnung sowie hohe, wirklich sehr hohe Dynamik, Farbtreue, Detailreichtum Kontrastumfang: alles auf Top-Niveau, und das bei „nur“ knapp über 20MP. Chapeau – für den Sensor und die Kamera-interne Verarbeitung gibt’s Bestnoten. Bis 1.600 ISO gibt´s die Bilder praktisch rauschfrei, danach lässt die Qualität diesbezüglich wie bei allen DSLMs und DSLRs kontinuierlich nach.

 

Bei der E-M1X fällt beim ersten Anblick die imposante Größe auf. Zwar kleiner als Spiegelreflex-Kameras, aber doch deutlich größer als die spiegellose Konkurrenz. Die Ausmaße kommen allerdings nicht von Ungefähr – schließlich will Olympus den Profi auch kompromisslos professionell ausrüsten.

 

Das heißt: Zwei große Akkus im Boden (diese können erfreulicherweise auch per USB-C am Kameragehäuse aufgeladen werden) sind gut für knapp 900 Aufnahmen, zwei Kartenslots (SDHC, SDXC, UHS I und UHS II), und der Stabilisator (vielleicht der derzeit beste am Markt - bringt im Ernstfall über 7 Blenden) brauchen auch ihren Platz – und obendrauf der Sucher, der hell strahlt, die derzeit größte Bildabdeckung liefert und mit 120 Vollbildern pro Sekunde arbeitet. Selbstverständlich ist das Gehäuse vor Spritzwasser und Staub geschützt. Alle Hebel, Räder und Knöpfe gibt´s mehr oder weniger doppelt – was nach viel klingt, aber Sinn macht, weil man im Hochformat erst gar nicht mal umdenken muss: Mit Zeigefinger und Daumen können alle Regelungen und Eingriffe wie ISO, Korrektur, Menü, Info, Motiv- und Farbprogramme, Blende und alles andere leicht bedient werden, ja es gibt sogar zwei Joysticks – alles ist an seinem gewohnten Platz. Sogar die Griffmulde am Kameraboden ist ergonomisch ident gestaltet wie die für´s Querformat. Eine Profi-Kamera muss das haben - erleichtert die Arbeit ungemein. Das hochauflösende Touch-Display ist natürlich ausklappbar und in alle Richtungen beweglich – fotografieren tief unten, ganz am Boden oder über Kopf also kein Problem. Beide Displays liefern alle wichtigen Infos auf einen Blick – und das sehr übersichtlich. Wir erinnern uns: Schnelles Arbeiten steht im Fokus.

 

Das Olympus-Menü ist gewohnt umfangreich beziehungsweise sogar aufgrund neuer Funktionen noch weiter angewachsen. Im ersten Moment erschlägt es einen, man muss sich schon ein wenig einarbeiten. Allein das Zahnradmenü bietet 23 Unterseiten, die je bis zu sieben Menüpunkte besitzen. Hier lässt sich wirklich alles konfigurieren und justieren, was das Fotografenherz begehrt. Damit man nicht mehr verzweifelt in den Tiefen der Menüs seine Einstellungen suchen muss, hat Olympus der E-M1X ein neues "Mein Menü" verpasst. Hier lassen sich auf vier Unterseiten jeweils bis zu sieben Menüpunkte ablegen. Dafür drückt man einfach im normalen Menü auf dem Menüpunkt, den man hinzufügen möchte, die Videoaufnahmetaste. Eine wirklich praktikable Lösung. Auch eine nachträgliche Umsortierung ist möglich. Zudem kann man auf jedem Menüpunkt die Info-Taste drücken, die einen kleinen Erklärungstext einblendet. Das ist alles ziemlich viel Info auf einmal – aber am besten mal in die Hand nehmen und ausprobieren – learning by doing funktioniert bei der E-M1X wunderbar.

Betrachtet man das Menü und die Funktionen, mit denen die Buttons bestückt sind, so ist alles auf kreatives und schnelles Arbeiten ausgelegt. Die interne Rechenleistung der Kamera ist enorm – was zwar Wärmeentwicklung bedeutet, aber unproblematisch ist, weil im Gehäuse – man höre und staune – auch eine kleine Flüssigkeitskühlung werkelt.

 

Der Tracking-Autofokus dürfte – so sind sich auch viele andere Tester einig - einer der besten sein, den es derzeit gibt. Das bewährt sich bei bewegten Bildern vom Makro- mit Käfer-Verfolgung bis hin zum Sport- und Telebereich gut. Wie gesagt: Hier ist alles auf schnelles und sicheres Arbeiten aufgelegt. Der Augenautofokus operiert ebenso verlässlich – vielleicht nicht so schnell wie bei der Sony A7R4, aber schon nah dran. Im Alltag besteht diese Olympus-Technologie allenfalls.

 

Der Stabilisator arbeitet verlässlich und ermöglicht "High Resolution" Shots – wenn es die Lichtverhältnisse erlauben – auch ohne Stativ. Ideal, wenn man mobil unterwegs ist, nicht viel schleppen will, aber dennoch Architektur und Landschaft fotografieren möchte.

 

Olympus zeigt eindrucksvoll, was im MFT-Format heute machbar ist. Das haben sie alles sehr gut hinbekommen. Dazu kommt die makellose Verarbeitung rund um das Magnesium-Spritzgussgehäuse, in dem die Top-Technik untergebracht ist. Unterm Strich sind es jedoch die unglaubliche Bild/Farb/Schärfe/Kontrast/Dynamik-Qualität, der flotte Autofokus und die durchdachte Ergonomie, die die OM-D E-M1X zur einzigartigen Kamera machen.

Die Film-Features lassen wir mal außen vor – wir haben mit der Kamera nur fotografiert.

 

Die Kamera und zahlreiche Objektive sind bei uns lagernd und bei uns im Onlineshop zu bestellen!

 

die produkte in unserem onlineshop:

Fotos und Text von Walter und Thomas de Meijer im Auftrag von Foto Hebenstreit.

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